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Wie die Frühlinge sterben

 

    Ein Schmetterling streut seine Farben hinaus

    in die erlöschende Landschaft

    wo round and round wie ein Kinderlied

    für grünen Regen sorgt 

 

    und das Blau frisst und das Rot frisst

    und das Gelbe gefressen hat

    Ein Nimmersatt der Hunger sät

    Die Vögel schreien nach ihrer Brut

    die keine Schmetterlinge kennt

 

 

 

 

 

Fließen

 

    Die Menschen verlaufen

    wie schmelzendes Eis

    lebenslang zum Horizont

    wo das Unendliche wohnt

    und die Zeit immer im Kreis geht

    der hinausführt zu grauen Haaren

    die Wellen werfen im Wind.

 

 

 

 

E Lonze fer d’Mundart - Wonn erschtemol de Londtag Ostalte mecht  

 

 

 

        Im Londtag gibt’s seit Munat schun

 

        Debatte um die Mundart rum.

 

        Do merkt ma glei wie richtig schlecht

 

        des dere Mundart wirklich geht.

 

        Bevor sie im Museum sitzt,  

 

        muss ma ebs due, was ihr nitzt,

 

        muss ebs bassiere, dass sie net

 

        de Löffl abgibt un verreckt.

 

        Bloß wer isch schuld, dass alli glaawe,

 

        wer Mundart babbelt, hot en Schade?

 

        „Mundart schwätze bloß de Bleede,

 

        wonn sie Hochdeitsch glernt bloß hätte!“

 

        So Klischees senn gar net cool,

 

        die kennt ma alli vun de Schul.

 

 

 

        Heit isch die Hochsprach uns egal

 

        mit Dialekt bisch bilingual.

 

        Solle d Leit doch mol so schwätze

 

        gonz wie sie‘s dehom aa schätze,

 

        nord muss koner froge heit,

 

        was des un sell uf deitsch bedeit.

 

        Schwätzsch mol helfe wär fer all

 

        en erster Schritt uf jeden Fall.

 

        Viele Werter gehn verlore

 

        kumme nimmi zu de Ohre.

 

        Ob de Wersching oder Deetz

 

        e haufe Ferz oder bloß Feez…

 

        Wer konn babble,

 

        wer kennt rapple?

 

        Wo gibts Bebbelin zum esse,

 

        Bibbeleskees net zu vergesse.

 

        De Kerscheblotzer isch ebbs Guts,

 

        ebs gonz onneres die Gruz.

 

        Hosch en Schiewer in deim Schrenkl

 

        oder hogsch gern uffm Bänkl,

 

        gesch d’Schdaffl nuff un hocksch dich no,

 

        vielleicht fongsch do zum Schwätze o.

 

        Scho vum Horche lernt ma Sache

 

        donn trau dich halt - ma muss bloß mache.

 

 

 

 

 

Fantasie und Fakt

 

 

 

        Die Schreiberin saß stirnerunzelnd

 

        am Schreibtisch richtig geisterfunzelnd.

 

        Sie suchte Reime, Metrik, Formen

 

        und deren Bau in rechten Normen.

 

        Allein der Geist war willig schwach.

 

        Sie seufzte hin und seufzte ach.

 

        Und wie sie grad so richtig eben

 

        am Hochverzweifeln war im Leben,

 

        hüpft‘ ihr ein Schelm schnell auf den Schoß

 

        und legte mit dem Dichten los.

 

        Er reimte, dass es grad so schmerzte,

 

        irrlichterte, lebkuchenherzte.

        Kuchenblechern tönten Sätzchen

        blubberbläschend mitsamt Lätzchen

        hupfdollsägten durch die Lüfte,

        fabrizierten Lachgasdüfte.

        Ach, es war die reine Freude

        und es hörten andre Leute,

        riefen schnell die Polizei

        wegen Spinneritisreimerei.

        Weshalb die Schreiberin bald blass

        tunkt‘ ihren Stift ins Tintenfass

        verfasst ohne Fantasiepartikel

        den ach so faden Zeitungsartikel. (Januar 2020)

 

 

 

 

 

 

 

Mensch

 

            Von drauß, von den Straßen komm ich her,

 

            Ich muss euch sagen, nichts weihnachtet mehr.

 

            Allüberall auf den Bergeshöhn

 

            Konnt ich kein Fitzelchen Schnee mehr seh’n.

 

            Ich seh es tropfen und Wasser spritzen:

 

            Allüberall nur Regenpfützen.

 

            Und droben aus dem Wolkenmeer

 

            Kommt nur weiter Nasses her.

 

            Und wie ich so wate durch Pfützen und Schlamm

 

            Rief mich ein leises Stimmchen an:

 

            „Menschenkind“, rief es, „handle jetzt schnell.

 

            Nutze dein Köpfchen und rette dein Fell.

 

            Die Pole fangen zu schmelzen an,

 

            Der Klimawandel ist aufgetan.

 

            Alte und Junge sollen nun

 

            Etwas für die Erde tun,

 

            Um Katastrophen abzuwenden

 

            Und die Welt zu treuen Händen

 

            Für den Nachwuchs zu erhalten

 

            Und sie sorgsam zu verwalten.“

 

            Ich sprach: „Liebes kleines Weltgewissen,

 

            Die Menschen sind ja sehr gerissen.

 

            Weder kümmert sie der Eisbär

 

            Noch beeinflusst sie das Eismeer

 

            Fliegen munter durch die Welt,

 

            Jeder wie es ihm gefällt.“

 

            „Hat er denn nicht genug Verstand?“

 

            „O nein, der Wahn nimmt überhand.

 

            Zwar gibt es Umweltkonferenzen,

 

            Allein die schlimmen Konsequenzen

 

            Muss die Menschheit selbst erleben

 

            ein rasches Handeln will‘s nicht geben.“

 

            „Was sag ich nur, wie ich‘s hier find?

 

            Reiß dich zusammen, Menschenkind!

 

            Sieh endlich zu, dass diese Erde

 

            Zu deinem Wohl gerettet werde.“